2018 – was war das nur mit uns beiden? (So habe ich auch schon den letzten Jahresrückblick begonnen, wie ich eben feststellen musste. Ganz unbewusst habe ich wieder diese Worte gewählt. Ob das etwas zu bedeuten hat?)
Unser Anfang war recht holprig. Geradezu zäh. Wie Kaugummi hast du dich in die Länge ziehen lassen. Hast mir Entscheidungen abgerungen und noch mehr Geduld darin, diese auch umzusetzen. Du standst fast still, deine Bewegungen nach vorne waren kaum spürbar und doch, jetzt im Nachhinein sehe ich, dass sie da waren. Wie sie mich nach vorne gebracht haben, Millimeter um Millimeter.
Du hast mir jede Menge Mut abgerungen, von dem ich am Anfang nicht mal ansatzweise wusste, wo ich ihn überall herholen soll, aus welchen Ecken meines Ichs ich den zusammenkratzen soll. Meine Reserven haben wohl trotzdem ausgereicht, um mich auf den Weg zu machen.
Warten – das ist es, was die erste Hälfte von 2018 vor allem ausgemacht hat. Geduld haben. Darauf vertrauen, dass sich alles in die richtigen Bahnen lenken lassen wird. Dass sich alles irgendwie ordnet. Und das alles aushalten. Ich habe so viel gelesen, wie lange nicht mehr. Hatte viel Zeit für mich und habe sie doch nicht wirklich genutzt. Hing ein wenig in meinem Loch fest. 2018 sollte doch zu Zweitausendachtsam werden und ist dann doch nur so an mir vorbeigerauscht. Während ich im Wartemodus verharrt bin.
Seit Mitte Juni bin ich in der beruflichen Reha. Wieder raus ins Leben. Jeden Tag unterwegs sein, mit Bus und Bahn. Mit anderen Menschen. Und das dann wieder zur Normalität werden lassen. Erst unter massiver Anspannung, dann immer entspannter. Nach 5 Monaten täglichem Pendeln bin ich auch in der Lage auf der Bahnfahrt zu lesen – und das ist mittlerweile mein tägliches Highlight. So viel Normalität. 6 Stunden täglich in der Maßnahme sitzen. Wie ein ganz normaler Mensch.
Erfolge sammeln. Ein vierwöchiges Praktikum im Buchhandel erfolgreich absolvieren. Selbstbewusster werden. Sich besser abgrenzen können. Öfter mal nein sagen und sich dabei nicht wie der schlechteste Mensch auf diesem Planeten fühlen. Langeweile ertragen. An sich arbeiten, jeden Tag. Perspektiven entwickeln, Pläne schmieden, über Möglichkeiten nachdenken, die noch vor Kurzem ganz unmöglich erschienen und diese dann auch tatsächlich verfolgen, nicht nur theoretisch, sondern so ganz real. Und sich dabei auch nicht von Rückschlägen aus der Bahn werfen lassen. Am Ball bleiben.
Du hast mir jemanden genommen, den ich sehr gern hatte. Das werde ich dir nie verzeihen, entschuldige, wenn ich das so krass ausdrücken muss.
Und dann, Anfang Oktober, da hast du mir noch jemand ganz Besonderen gebracht. Aber das ist Privatsache.
Bald werden sich unsere Wege für immer trennen, liebes 2018. Du kommst nie zurück, und wahrscheinlich ist das auch gut so. 2019 wird mich wieder ein Stück weiter bringen.
Ich muss nun Mut sammeln für all das, was 2019 kommen könnte. Die Reserven wieder auffüllen. Um neue Entscheidungen treffen zu können. Um mit eventuellen Rückschlägen umgehen zu können. Ich brauche ein Korsett, das mich stützt. Ein dickeres Fell. Drahtseilnerven. Kann mir bitte jemand sagen, wo ich all das kostengünstig bekommen könnte? Eventuell? Und wie ich eventuell all die guten Vorsätze umsetzen kann, die ich jedes Jahr wieder habe? Also abnehmen, mehr Bewegung, weniger Schokolade, mehr Kreativzeit, öfter mal zum Fotografieren in die Natur gehen – und den Tag um weitere 24 Stunden verlängern.
Oder ich mache mal was ganz Neues und pfeife auf all die guten Vorsätze.
Update: Der Wahnsinn hat mich seit heute wieder – man nennt ihn auch Alltag. Maßnahme. Berufliche Reha. Herzlich Willkommen, frühes Aufstehen und kurze Nächte, Müdigkeit und Augenringe. Herzlich Willkommen, 2019.
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