Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Untertitel: Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich endlich locker machst. Sich locker machen, aha. Mach dich mal locker, chill mal die Base – reden so nicht nur Jugendliche mit Hosen auf Halbacht und noch weniger Ahnung als Arsch in der Hose? Und was soll das überhaupt sein, dieses Sich-locker-machen?

Und dann hat die auch noch Arsch gesagt! Ja, darf die das denn? Am Arsch vorbei – das bringt nebenbei eine Erinnerung auf den Plan, als N.R. das mal aus dem Brustton der Überzeugung zu unserem Deutschlehrer Herr B. sagte – fragt mich nicht nach den Umständen, dafür ist es zu lange her. Er sagte jedenfalls „Das geht mir total am Arsch vorbei.“ und danach war Totenstille, N.R. saß wenige Sekunden später auf der Heizung vor dem Klassenzimmer.

Was ich damit sagen will? Nichts, es passte nur gerade so gut und hat die Aufmerksamkeit auf diese Rezension gelenkt (eventuell) – ebenso wie Alexandra Reinwarths Titel die Aufmerksamkeit auf ihr Buch lenkt. Denn – seien wir mal ehrlich – Verbessere dein Leben durch mehr Gelassenheit, das kann man so machen, lockt aber niemandem hinter den Ofen hervor, und schon gar nicht in die nächste Buchhandlung.

Dabei geht es in ihrem Buch genau um das, um Gelassenheit. Nur eben nicht auf die intellektuelle, theoretische Art, sondern mit einer ganz gezielten Visualisierung: Man stelle sich vor, dass einem das was nervt, wie ein Stier entgegenkommt, und anstatt sich dem Stier mit aller Kraft in den Weg zu stellen und den einen oder anderen blauen Fleck zu riskieren, macht man eine elegante Drehung zur Seite und – Olé – es rennt hintenrum an einem vorbei. Am Arsch. Das Olé gehört auf jeden Fall zu dieser Visualisierung. Ich liebe es. Es prägt sich so auch viel besser ein, man kann sich individuell noch vorstellen, das rote Tuch zu schwingen und theatralische Bewegungen mit den Armen zu machen. Allein mit dieser Passage in der Einleitung hatte mich Frau Reinwarth schon gepackt.

Natürlich nicht nur damit, das wäre mir doch zu wenig gewesen für ein ganzes Buch. Auch wenn nicht alle der 6 Themenbereiche auf mich zutreffen – ich habe weder Ehemann noch Schwiegermutter noch Kinder – gibt es genügend Impulse, die ich mitnehmen kann. Wie ich auch mal nein sagen und dazu stehen kann – ohne schlechtes Gewissen. Und gelassen hinzunehmen, was ich eh nicht ändern kann. (Arbeitsamttante am Arsch vorbei!) Dabei geht es gar nicht darum, zum egoistischen Arschloch zu mutieren, sondern vielmehr darum, sich mehr Freiräume zu verschaffen und emotionalen Ballast loszuwerden.

Zudem – und das ist das Wichtigste hierbei – trifft Alexandra Reinwarths Art zu schreiben genau meinen Humor. So herrlich trocken und selbstironisch erzählt sie aus ihrem Leben und ihren eigenen Erfahrungen mit dem olé, ohne dabei ins Alberne abzudriften. Ein Spagat zwischen humorvoll und informativ, der meiner Meinung nach perfekt gelingt.

Satz des Buches: „Sehen Sie es endlich ein: Sie können nicht alles schaffen, wenn Sie sich nur richtig anstrengen. Aber eben nicht nur Sie, auch sonst niemand.“

 

Eine Antwort auf „Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

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  1. Super! Das ist die Vorstellung, dir ich brauche. Es wird in meinem Leben in Zukunft soooo viele „ole’s!“, geben!! Verdammt! Ja, das wird es!!

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