Wir kennen sie doch auch alle. Motivationssprüche. Durchhalteparolen. Leicht daher gesagte Zitate, die bewirken sollen, dass wir uns besser fühlen. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass sie mir gerade wenn es in Richtung Weihnachten und Jahreswechsel geht, besonders häufig begegnen. Auf Kalendern. Oder auf Blech- oder Holzschildern. Gerne bei Nanu Nana oder bei Ikea in der Dekoabteilung. Damit man sie sich in Küche/Schlafzimmer/Wohnzimmer/Toilette aufhängt. So mit Blümchen und Schmetterlingen drumherum.
Kann natürlich jede*r so machen, wie er/sie es mag, ich will hier auch definitiv niemandem zu nahe treten. Wenns hilft und ihr euch damit besser fühlt – go for it!
Mir kann man so Sprüche aber ehrlich gesagt auf Klopapier drucken, damit ich mir damit…ihr wisst schon. Es gibt sogar einige Sprüche, die mich regelrecht aggressiv machen. Mir ist bei diesem Motivationsterror dann mal die Idee gekommen, diese Sprüche unter die Lupe zu nehmen. Fangen wir also an. Dies ist quasi eine neue Folge von „Fräulein Meerjung fragt sich“ – eben weil ich mich frage, was mir diese Zitate sagen. Mir persönlich.
Das wohl bekannteste Zitat ist wahrscheinlich Friedrich Nietzsches „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ Jaja, der Friedrich, der alte Nihilist. Dem würde ich zu gerne entgegen brüllen „Bullshit“. Was mich nicht umbringt, hat mich einfach nur nicht umgebracht. All die depressiven Episoden und Angstzustände haben mich in keiner Weise stärker gemacht – im Gegenteil. Sie haben mein Nervenkostüm ausgedünnt, Fäden gezogen, kleine Risse hinterlassen, die ich mühsam wieder flicken musste. All diese Mikroveletzungen, die ich erlebt habe, haben Narben hinterlassen.
Dass ich das überlebt habe, ist natürlich gut, aber stärker? Nein. Es hat keine Teflonschicht auf mein Nervenkostüm aufgebügelt, an der jetzt alles abperlt. Und warum muss mich überhaupt alles stärker machen? Ich bin nicht abgehärtet und das ist auch gut so. Ich bin dadurch sensibler für mich und meine Stimmungen, für meine mentale Gesundheit geworden. Sensibel war ich eh schon immer und das ist mittlerweile völlig okay.
Dazu passt ein Spruch, der mir bei meiner Recherche zu meinem Vorhaben zum ersten Mal begegnet ist. „Der Schmerz von Heute ist die Stärke von Morgen“. Hier ist der Verfasser zwar unbekannt, aber mein Bullshit-Radar leuchtet genauso rot und hell wie beim lieben Friedrich. Mööööp! Nein. Schmerz ist eine Warnung, dich nicht zu übernehmen, innezuhalten, dir eine Pause zu gönnen – nicht nur körperlich. Er ist ein Anzeichen dafür, dass im Moment etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist; dafür, dass du verletzt wurdest, auch wenn das nach außen nicht immer direkt sichtbar ist. Schmerz kann vielfältig sein. Vielleicht bleibt auch immer etwas von diesem Schmerz zurück, begleitet dich einen längeren Weg, wird chronisch. Dann ist da morgen keine Stärke, sondern immer noch Schmerz. Und dann? Bedeutet das dann automatisch Schwäche?
Es bedeutet aber auch: Du musst dich nicht quälen. Du bist nicht der Geilste oder Stärkste, weil du besonders viel Schmerzen ertragen kannst. Nicht heute und auch nicht morgen. Was mich zum nächsten Spruch bringt.
„Nur die Harten kommen in den Garten“. Angeblich stammt diese Redewendung aus dem Gartenbau – woher auch sonst. Da stellt sich mir als erstes die Frage: Was ist denn, wenn ich gar nicht in den Garten will? Ich habe nämlich keinen grünen Daumen und Unkraut zupfen finde ich auch fad. Vielleicht will ich ja lieber in den Wald, oder aufs Feld.
Wenn der Garten die Belohnung dafür ist, dass ich vorher hart sein muss – so richtig tough, die Ellenbogen raus – nö, dann nicht. Dann stelle ich meine Liege woanders auf, und das bedeutet nicht, dass ich mich nicht anstrengen will. Aber dieses ganze Hart-Sein, das ist nichts für mich.
Für mich bedeutet das Zitat dann auch, dass man hart sein muss, um etwas zu erreichen, dass man sich durchsetzen muss. Was ist denn mit der Kraft der Geduld, des sanften Widerstands? Mir wurde von einem Therapeuten mal vorgeworfen, ich sei nicht aggressiv genug – wie auch immer er das gemeint hat. In mir regte sich bei dieser Aussage ein mittellauter Widerstand. Ich will nicht aggressiv sein, das entspricht nicht meinem Charakter. Ich will mich nicht verbiegen, um irgendwo hinzukommen. Nicht in den Garten und auch sonst nirgendwohin.
Hier beende ich vorerst meine kleinen philosophischen Ausführungen. Ich weiß nicht, ob es euch gefällt, aber ich fand und finde meine Idee immer noch super.
Mein Pool – meine Party.
To be continued…
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