Ach 2020, was warst du nur für ein beschissenes aufregendes angstmachendes krasses ereignisreiches langweiliges Jahr. Am 1. Januar lagst du noch ganz neu und unbenutzt vor mir – und ich hätte so viel mit dir anfangen können. Und in den ersten zwei Monaten ging das ja auch ganz gut mit uns beiden. Wir waren auf einer Lesung, beim Handball, waren in Heidelberg und zum ersten Mal auf einer Karnevalssitzung, bei der „Helau“ gerufen wurde – was war das noch für eine schöne Zeit. Und das alles vor diesem verdammten ersten Lockdown, nachdem auf einmal nichts mehr ging. Keine Reise in den Harz im April – die wurde im August nachgeholt, ein Glück; keine Goldene Hochzeit der Schwiegereltern und auch sonst viel Kein. Dafür ein wenig Geocaching, ein wenig Wandern, von Allem so ein bisschen und nichts so richtig.
Was hätte ich im Lockdown nicht alles machen können. Was hätte ich mit der ganzen freien Zeit alles anfangen können. Sport. So richtig Sport. Jeden Tag und dann wäre ich fit wie nie geworden, so in etwa wie vor 3 Jahren als ich in Freiburg zur Reha war und jeden Tag mindestens eine Stunde draußen an der frischen Luft, so richtig mit Bewegung und so. Als ich einen richtig krassen Bewegungsdrang in mir verspürt habe und.. ich schweife aus. Sport hab ich im Juli dann tatsächlich angefangen und mich mit meinem Herzensmann im Fitnessstudio bei Sven angemeldet. Leider geht das mittlerweile auch nicht mehr. Und ob ihrs glaubt oder nicht, mittlerweile vermisse ich meine Stunden Minuten auf dem Laufband mit Peter Fox und Lady Gaga; zum Walken in die freie Natur hab ich es seit November nur ein einziges Mal geschafft. Trotz der guten Vorsätze. Schulterzuckemoji. Gibt Schlimmeres.
Eine neue Sprache hätte ich lernen können. Polnisch zum Beispiel, oder so eine richtig komplizierte mit lauter fremden Schriftzeichen. Oder mein Norwegisch aufpolieren. Ein Buch schreiben. Ein zweites Buch gleich hinterher. Fotografieren lernen, so richtig mit manuell einstellen und nicht nur im Automatikmodus knipsen. Die Welt retten. Bananenbrot backen. Sechsgängige Menüs kochen. Mein Leben in den Griff kriegen. Hab ich aber nicht.
Stattdessen habe ich viel gelesen und ein wenig angefangen zu nähen, hauptsächlich Masken; und Taschen für die Masken. Und Kissen für mein müdes Haupt. Und versucht, nicht durchzudrehen, wenn die Angst drohte, Überhand zu nehmen. Wenn ich transparentpapierdünnhäutig war und mein Nervenkostüm löchrig, weil alles so unklar war; wie es weitergehen würde, was als nächstes kommt in meinem Leben, vor allem beruflich gesehen. Wenn das Gedankenkarussel sich nicht aufhören wollte zu drehen und mir schon ganz schlecht geworden ist und ich trotzdem keine Lösung gesehen habe.
Wie auch, wenn sich alles so schnell dreht, wie kann man da denn auch einen klaren Gedanken fassen. Da kann man dann nur heulen, weil einem vor lauter Panik so schlecht wird. Vor lauter Panik, dass man immer älter wird und immer noch nicht weiß, was man im Leben anfangen will und andere haben ein Haus, ein Auto, fünf Kinder und einen Mann/eine Frau UND dann noch einen Job UND die wuppen das ALLES. Und ich habe das Gefühl, immer noch nicht erwachsen geworden zu sein.
Da muss man dann einfach mal stehenbleiben und sich das ganze Chaos mal in Ruhe angucken. Na ja, ist dann doch nicht alles Mist. Und dann darf man sich nicht von Außen und schon erst recht nicht von Innen hetzen lassen. Eventuell mache ich das so. 2021. Und wer mich hetzen oder drängeln will, der kann mich mal. Gern haben oder auch nicht.
Ach 2020, bald bist du Geschichte – und was für eine, so richtig eine fürs Geschichtsbuch. Dann kommt 2021 und ich werde 40 30 wieder 29. Vorsätze hab ich viele einige ein paar. Umsetzen muss kann werde ich sie nicht alle, irgendwo darf ja auch noch ein wenig Platz zum Scheitern bleiben.
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