Sonnenschein am Arsch vorbei!

„Irgendwann scheint hoffentlich wieder die Sonne für dich.“

Diesen Satz schrieb mir neulich jemand. Nicht jemand, den ich kenne und daher auch niemand, von dem ich sagen würde, er oder sie läge mir am Herzen – oder auch nur in der Nähe davon. Es war eine mir sonst fremde Person auf Facebook, die einfach einen meiner Beiträge in einer kleinen Challenge kommentiert hat. Nähere Erklärungen würden jetzt zu weit führen. (Ich bin außerdem gerade ein wenig erkläungsfaul. Es ist auch nicht wichtig.)

Was für eine nett gemeinte Aufmunterung. Möchte man denken. Nicht. Nett gemeint ist sie bestimmt gewesen, das möchte ich dieser Person auch nicht anders unterstellen – aber nett gemeint ist oft das Gegenteil von nett gemacht.

„Das wird schon wieder.“ und „Kopf hoch.“ sind übrigens auch Sätze, die ich nicht mehr hören will und die mich mittlerweile immer auf die Palme bringen. Innerlich natürlich. Von dort oben hat man dann zwar einen ganz tollen Ausblick aber mal unter uns – ich bin nicht Sporty Spice. Ihr haltet mich jetzt vielleicht für dünnhäutig oder sensibel. Übersensibel. Ein Mimöschen. Aber ich muss das jetzt mal loswerden. Auch auf die Gefahr hinaus, dem einen oder anderen dabei auf den Schlips zu treten. Nicht so schlimm – den kann man bestimm bei 30° C waschen.

Es sind einfach nur so dahin gesagte bzw. geschriebene Worte, von denen man denkt, sie würden das Gegenüber aufmuntern. Ihm oder ihr ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Oder gar hilfreich sein. Als würde man aufgrund dieser wenigen Worte alle Probleme abschütteln – Mensch, ist doch gar nicht so schwer, und alles wird eh besser, wenn die Sonne scheint. Und wenn du dann noch deinen Kopf entgegen der Schwerkraft heben könntest, dann passt das schon alles wieder. Eventuell interpretiere ich das aber auch über. Für mich sind diese Sätze aber sowas von abgedroschen und floskelhaft, quasi ein Klischee der Gutelaunemachersätze mit einem Bart von hier bis Honolulu.

Und sie sind eins – nicht hilfreich. Nicht für jemanden der unter Depressionen leidet. Nicht für mich. Denn ich weiß ja, dass die Sonne da ist. Sie scheint. Auch für mich. Ich spüre sie auf meiner Haut. Durch die Fensterscheibe. Und die dicken Vorhänge. Mit meiner extra dunklen super verspiegelten Sonnenbrille auf der Nase. Die Sonne ist da, und sie scheint. Es interessiert mich nur nicht besonders. Eher so gar nicht.

„Genieß doch mal die Sonne.“ ist übrigens auch so ein Satz. Erstens müsste ich dafür wahrscheinlich vor die Tür gehen und zweitens überhaupt in der Lage sein, etwas genießen zu können. Beides ist phasenweise nur schwer bzw. überhaupt nicht möglich. Mich dazu aufzufordern, erinnert mich nur noch mehr daran, dass ich dazu nicht in der Lage bin und damit sowieso unfähig und nicht in der Lage, die einfachsten Dinge, wertzuschätzen und meinen Hintern bekomme ich auch nicht hoch und ich bin eh der schlechteste Mensch auf diesem Planeten. Reagiere ich über? Kann sein. Aber wird sind hier ja nicht bei Wünsch dir was. Wenn aber doch, dann würde ich mir wünschen, dass diesem Satz eine Einladung zu einem Spaziergang folgt und er nicht nur eine dahingesäuselte Empfehlung zur Lebensverbesserung bleibt. Exkurs beendet. Zurück zum Wetter.

Es interessiert mich also nicht, ob die Sonne scheint. Oder nicht. Es würde mich auch nicht interessieren, wenn es in Strömen regnen würde. Oder schneien. Auch nicht, wenn vor meinem Fenster die Welt in einem Wirbelsturm untergehen würde. Ich finde mich in diesem Punkt ziemlich fair gegenüber der Sonne, oder dem Wetter generell. Ich bevorzuge niemanden, wie eine Mutter, die offiziell kein Lieblingskind hat.

Inoffiziell und ganz unter uns finde ich Regen oder Schnee aber beruhigender als Sonne. Als würde mir dadurch die Genehmigung zum zu Hause bleiben erteilt werden. Bei Regen muss niemand vor die Tür. Ich kann mich getrost aufs Sofa setzen und stumpfsinnig vor mich hin starren. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Es ist ein bisschen so wie in der Schule früher, wenn es in Strömen regnete und man zur Pause auf den zweiten Gongschlag, der nur Sekunden dem ersten folgte, gewartet hat und der das Zeichen zu einer ganz wunderbaren Erfindung gab – Regenpause.

P.S.: „Ich bin da.“ und „Ich höre dir zu.“; oder auch „Ich bin dein Freund.“ (Auch wenn du dich länger nicht gemeldet hast.) sind ganz wunderbare Sätze. Natürlich nur, wenn sie ehrlich gemeint sind.

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