Zum Jahreswechsel: Ein Seufzer und ein paar Gedanken 

Ach 2017, was war das nur mit uns beiden? Wir haben doch eigentlich ganz hoffnungsvoll angefangen, hatten uns so viel vorgenommen. Wir wollten die Welt verändern und falls das nicht klappt, dann zumindest mein Leben. So richtig neu ordnen. Auf links drehen, umkrempeln, alles anders machen. Als vorher. Pustekuchen. Haben wir nicht geschafft, weil das eben nicht geht.

Weil das neue Jahr nie wie eine weiße, unbeschriebene Seite in einem Buch vor einem liegt – bereit für alle Geschichten und Abenteuer des neuen Jahres; befreit von allen Sorgen und Problemen des vergangenen Jahres. Diese Vorstellung ist doch völliger Blödsinn.

Auch wenn ich noch so sehr will, dass sich in dieser einen Millisekunde, in der die Zeit das Jahr um eins nach vorne dreht, alles ändern könnte. Kann es vielleicht schon, ganz eventuell und theoretisch, jedenfalls kann ich mir das einbilden und in unzähligen Ratgebern und Frauenzeitschriften nachlesen und eventuell auch daran glauben und endlos lange Listen schreiben und Pläne schmieden und all die Übungen machen, die irgendwelche schlauen Experten empfehlen – aber irgendwie muss ich dann feststellen, dass das so nicht ganz klappt. Schließlich gab es in meinem Lebensbuch schon jede Menge Seiten vorher der, auf der 2018 steht; und die habe ich alle schon fleißig bekritzelt. Und egal, wie vorsichtig ich dabei geschrieben habe, der Stift hat doch immer auf die Seiten davor und danach durchgedrückt. Ich kann noch ganz gut einzelne Wörter erkennen, Teile von Sätzen, Bildern, die ich gezeichnet habe. Von jedem Jahr. Die Stifte drücken nämlich immer weiter durch, von jedem Jahr, das ich beschrieben habe, lassen sich noch Spuren erahnen – Bleistift, Kugelschreiber, Füller, Buntstifte – alles hat seine Spuren hinterlassen. Sogar die Wachsmalstifte von ganz früher. Da kann ich radieren, so viel ich will, die Spuren gehen nicht weg. Und von 2016 würde ich gerne eine ganze Menge radieren – wobei das eine andere Geschichte ist.

Das, was dieses Jahr durchgedrückt hat, war im Nachhinein ganz in Ordnung. Therapeutisch gesehen – in dieser Hinsicht war es recht intensiv mit 13 Wochen stationärer und teilstationärer Therapie – dabei aber auch ziemlich erkenntnisreich. Menschlich betrachtet – so im zwischenmenschlichen Bereich – haben einige ganz wunderbare Menschen neue Eindrücke hinterlassen und dürfen gerne auch 2018 weiterhin ihre Spuren hinterlassen. Beruflich gesehen – na ja, eher nicht so.

Mit Lupe und Fernglas habe ich dieses Jahr nach der einen Perspektive gesucht und dabei gar nicht gewusst, wie die überhaupt aussehen soll. Wie kann man denn etwas suchen, wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll? Oder wo man es suchen soll? Was habe ich mir bloß dabei gedacht? Man kann sich doch nicht einfach so auf eine Expedition ins Nirgendwo aufmachen und dann darauf hoffen, dass zu finden, wovon man noch nicht einmal weiß, dass man es finden will. Da kann man sich ja gleich zu Hause eingraben, das hat genau so viel Erfolg. Oder? Oder nicht? Oder ist das vielleicht doch die einzige Möglichkeit? Einfach einen Schritt nach dem anderen zu gehen und darauf zu vertrauen, dass man an Ende da ankommt, wo man immer hinwollte? Ohne das Ziel schon vorher zu kennen?

Eigentlich habe ich letztendlich  genau das gemacht. So ungefähr jedenfalls. Gut, eher im Schneckentempo als mit Siebenmeilenstiefeln – aber einen Marathon kann man ja auch nicht im Sprint beginnen. Wie weit ich dabei vorangekommen bin, darüber lässt sich bestimmt streiten und vermutlich streite ich darüber mit mir selbst am eifrigsten – aber immerhin habe ich immer wieder einen Fuß vor den anderen gesetzt.

Wohin mich 2018 tragen wird? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich weiter gehe. In meinem ganz eigenen Tempo.

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